Hörthört

Musik

Tango Passionato (Eduard Pütz, transcr./arr. f. Quartett: Walter Huß), Landeskonservatorium Klagenfurt

 

Los geht´s (aus dem Liedgut der Spielmusik Schönfeldinger), ORF/Landesstudio Burgenland

 

Gran Partita (W.A. Mozart), Bläserensemble des Landeskonservatoriums Klagenfurt

 

Texte

Ö1: „Das Evangelische Wort“

31. Jän. 2010

Ausschnitt (private Aufnahme)

 

Gassi oder Bussi?

Ich tippe auf Gassi. Damit werden Sie - oder besser gesagt: Ihr vierbeiniger Freund – diesen Tag begonnen haben oder noch beginnen. Meine Vermutung beruht auf der Tatsache, dass in unserem Land mehr Menschen mit einem vierbeinigen Freund zusammenleben als mit einem zweibeinigen – verständlich, der vierbeinige hört immer zu, redet nicht zurück und kommt meist vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause; und dafür nimmt man hin und wieder einen kleinen Floh gern in Kauf.

Jetzt sagen Sie vielleicht: „Das kratzt mich wenig, weil ich außer Hausstaubmilben keine Tiere im Haus habe.“ Dann bleiben Sie trotzdem dran, denn das Verhalten des so genannten „besten Freund des Menschen“ kann uns einiges deutlich machen.
So lernt etwa ein Hund in erster Linie durch das Loben. Dieses muss innerhalb einer dreiviertel Sekunde nach der ausgeführten Handlung erfolgen, damit er das Lob als Bestätigung begreift. Ebenso wichtig ist das überzeugende „Nein!“. Es darf ihm nicht aus falsch verstandener Zuwendung vorenthalten werden - sonst steht Bello eines Tages mit triefender Schnauze vor der zerbrochenen Suppenschüssel. Und das plagt Hund und Hausmann. Freunde hören aufeinander. Und durch das Hören lernen Sie die Sprache des Anderen.

Der Gefährte mit den Samtohren sagt uns schlicht aber ergreifend: „Lobt das Lernen und lernt das Loben!“ Mit diesem Motto ließe es sich auch in Familie und Schule auf den Hund kommen...

 Worüber freuen wir uns? Wann sind wir am zufriedensten? Hat man uns nicht dazu erzogen, auf das „Zuwenig“ zu achten und Unzufriedenheit als Voraussetzung für eine florierende Wirtschaft zu akzeptieren? Wo der Hund begraben liegt, wissen wir wohl; wie man auf ihn kommt, weniger...

In unseren Augen sind Bäume zu einer Kulisse der Freizeitindustrie verkommen - für einen Hund sind sie Versteck, Zeitung und Reviermarke in einem. Idefix, der Hund von Obelix, weint sogar, wenn sein Herrchen versehentlich einen Baum ausreißt!
Der Schnee ärgert die einen Menschen, wenn er ausbleibt und die anderen, wenn er da ist – ein Hund genießt nichts mehr als mit seiner Schnauze durch das frischgefallene Himmelsweiß zu pflügen.
Schaut unsereins längere Zeit aus dem Fenster, dann deswegen, weil er sich empört oder Skandale wittert. Der Hund schaut aus dem Fenster, weil er auf etwas wartet. Fast bin ich geneigt zu glauben, dass er hinter der Glasscheibe Mächte zwischen Himmel und Erde wittert.
Manch volle Schüssel auf unserem Mittagstisch landet nicht im Magen sondern im Mülleimer -  ein Hund springt vor Freude über jede Schüssel Futter in die Höhe.

„Olle Menschen samma z´wider, i mecht s´ in die Goschn hau´n“ – wir kennen diesen Refrain von Kurt Sowinetz. Vielleicht sogar zu gut. Ein Hund hingegen ist am zufriedensten, wenn Menschen um ihn herum sind. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagen wir. Doch der Partner mit der kalten Schnauze sucht gleich am Morgen die Familienmitglieder, schaut, ob eh alle da sind. Und wenn man noch schlaftrunken an ihm vorbeischlurft, legt er sich schon vertrauensvoll und schutzlos auf den Rücken und schaut einen herzerweichend an.
Martin Luther war sicher deswegen davon überzeugt, dass Hunde in den Himmel kommen und goldene Schwänze haben... Wie viel reden wir – und wie wenig sagen wir! Der Hund redet nichts, aber sagt doch viel.

10.000 Jahre gemeinsame Geschichte von Hund und Mensch sind kein Zufall. „Die Fährte zum eigenen Ich führt über das Du“, stellt Carl Gustav Jung fest – er muss ein Hundehalter gewesen sein! Und vielleicht auch ein gewisser Jesus Sirach, dessen Worte wir in der Bibel finden: „Ein treuer Freund ist ein Trost im Leben; wer Gott fürchtet, der bekommt solchen Freund.“

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Morgen mit Ihrem besten Freund!

 

Die Ballade von Bileam

(Reimpredigt über 4. Mose, Kap. 22-23; neuebuehnevillach, Juni 2010)

Der Tag beginnt so unbeschwert, die Vöglein singen munter.

Flugs schüttelt er die Tuchent auf und springt vom Bette runter.

Die Fensterläden aufgedrückt, reckt er sich dann und streckt sich.

Dem Glaserl Milche folgen stets Fünf Tibeter am Teppich.

 

Die Rede ist von Bileam - ein Zauberer und Seher.

Am Euphrat liegt sein Passivhaus - Palast, das trifft´s wohl eher;

(denn für die Dienste, die er tut, bezahlt man ihm Vermögen).

Nie hat sein Zauberspruch gefehlt, nie hat er falsch gelegen.

 

Zu ihm schickt aus ein mächt´ger Mann. Als König Balak ist er

längst übers Moabiterland bekannt; sein´ Feinde frisst er.

Doch steigen in ihm Zweifel auf, wenn er gedenkt der Meute

der Israeliten in dem Land, das er gern hätt als Beute.

 

Trotz aller Macht vermag er nicht, sie in die Knie zu zwingen.

Es hilft kein Droh´n, kein Degenstoß, kein Müesli und kein Ringen.

Denn koscher übt sich Jahwes Trupp in täglichem Gebete,

und, wenn noch Zeit bleibt für die Kunst, Posaune und Trompete.

 

So irrt der König Nacht für Nacht herum in sein´ Gemächern.

Weil Rohypnol noch nicht erfunden, bleibt ihm nur das Bechern.

(Hätt es gegeben damals schon Red Bull in Aludosen,

hätt er geleert sie eimerweis´. So schiss er in die Hosen.)

 

Erleichtert dann vernahm er endlich Rat von den Gelehrten,

dass eben jener Bileam, von dem schön viele hörten,

die Bannesworte sprechen kann, um Balaks Heer zu stärken.

Im Hirn des Königs hebt nun an ein Allmachtstraum zu werken.

 

Itzet! Wohlan! Er sendet aus zum Euphrat seine Boten.

Die haben Gold und Wein dabei, von Kärntnerliedern Noten!

So wollen sie den Bileam für ihren Zweck gewinnen

und ihn sodann für ihre Causa gänzlich milde stimmen.

 

Der Plan ist einfach, fast genial: der Starmagier, er solle,

wenn Balak dann das Zeichen gibt, zurückfrisieren die Tolle,

um scharf zu seh´n, wohin der Bann aus seiner Hände zische

und endlich diese Judenbrut vom Erdenkreis verwische.

 

Und justament, der stolze Herr lässt in der Tat sich bitten.

Soll´n nicht umsonst von ferne diese Männer hergeritten!

Sein Cape, sein Buch ins Handgepäck – wie immer in dem Falle.

So sattelt Seher Bileam die Eselin im Stalle.

 

Es währt nicht lang die Reiterei, da bleibt das Grautier stehen.

Wie angewurzelt harrt es aus, will keinen Schritt mehr gehen.

(Hier sieht man: wie es heute ist, so war allzeit die Chose -

wenn du´s mal wirklich eilig hast, dann geht was in die Hose...)

 

Er nimmt die Gerte schnell zur Hand und stäubt dem Tier die Nase.

Jedoch das ändert gar nicht viel, es zittert wie ein Hase.

Ein zweites und ein drittes Mal ergeht´s dem Tiere ähnlich.

Und so gevift der Magier ist, hier wirkt der Knabe dämlich.

 

Denn was der Seher nicht kann seh´n vor lauter Spinnereien,

ist, dass ein Engel steht vor ihm und warnt vor Eseleien,

die Bileam zu tun gedenkt mit Jahwes Volk, den Juden.

Sein Grautier aber – schau dir an! - erkennt den Himmelsbuben.

 

Auf wundersame Art geschieht´s, dass plötzlich treten Silben,

die nicht mehr nur „I-AHHH!“ verlauten, sondern Sätze bilden,

ganz deutlich aus des Esels Maul und tun den Magier fragen:

„Was, Bileam, hab ich getan, dass du mich willst erschlagen?

 

Ist´s, dass ich trug dich viele Mal hinab zu Euphrats Fluten,

wo Seherkonferenzen oft und ich mich musste sputen?

Kein Stock, kein Stein, kein Hitzestau war´n Grund für eine Pause,

ein klitzekleines Möhrchen nur du gabest mir zur Jause!

 

Hab allen Grund, dass ich dir treib mein Hufpaar in die Nieren!

Doch sagt mir klar der Hausverstand, dass ich mich müsst genieren,

wenn ich mit gleicher Münze zahl´ wie du, mein lieber Herre.

Hab ich gemurrt?! Ach, weit gefehlt! Doch heute reicht´s der Mähre!“-

 

„Wo gibt´s den sowas, bitteschön?!“, denkt da des Tieres Reiter.

„Ein Esel redet hier mit mir! Das ist schon mehr als heiter!

Seit wann belehrt man Bileam, was faule ist im Staate?!

Seit wann warnt mich ein Eselstier vorm Schneck im Kopfsalate?!

 

Wenn ich die Hand zum Fluch erheb´, erzittern alle Lande!

Wenn ich die Hand zum Segen streck´, wächst Welschriesling im Sande!

Du graues Tier, wie kann es sein, dass du jetzt rügst den Willen

des hochgerühmten Sehers?! Scheint´s, ich muss dein Mütchen kühlen!“-

 

Da tritt hervor der Engel gleich, das Schwert in seiner Fauste

und offenbart die Botschaft sein: „Ich dachte mir, jetzt haus´te

den Bileam eins auf den Zopf, geht er nur ein Stück weiter.

Wär nicht dein Vieh, du wärst jetzt tot wie Maus am Blitzableiter.“-

 

„Ojemine, das wusst ich nicht, dass Gott will z´rück mich halten!“,

entgegnet Meister Bileam und legt die Stirn in Falten.

„Uno momento, ich dreh um!“, schwitzt er und will schon wenden.

„Hab Mist gebaut und nicht gehört auf´s G´fühl in meinen Lenden.“-

 

Doch nichts entgeht dem Himmelsmann. Er liest im Herz des Hansl

wie unsereins im Kochbuch tut, bevor er brät das Gansl.

Im Handumdrehen klatscht er auf des Drückebergers Finte

und führt das Schwert zum Nabel hin wie Winnetou die Flinte.

 

„Nein, nein, so einfach wie du denkst, lass ich dich nicht entwischen!

Schmier deine Absätz´, Balak harrt auf dich beim Fliegenfischen.

Sag jenem und den feinen Herr´n, die ihre Chance wittern:

auf Bergeshöh´n zeigt Jahwe sich, bei Nacht und Sturmgewittern.

 

Errichte hernach Brandaltäre, sieben an der Zahle,

er will dareinfahr´n, dass ihr wisst das Worte seiner Wahle.

Solltest du jetzt noch Fragen haben,

dann wende dich voll Mute an deine Eselsstute.“-

 

In luft´ger Höh´ finden sich ein der Moabiterwildling

gemeinsam mit dem Heeresstab bei einem Riesenfindling.

Und mittendrin ist Bileam. Er strickt sich auf den Mantel

man sieht den Bizeps seiner Hand, gestählt von mancher Hantel.

 

Die Stiere und die Widder liegen auf den Brandaltären.

Gewiss wird Gott der Herr in Gunst mit Feuer sie verzehren.

Und Balak hofft, es wird geschehn: sein Land wird sich bald weiten.

Dann ist er unumschränkter Boss und wird die Chose leiten.

 

Da hebt der Magier seine Hand, erwartend, was da komme,

und glaubt, dass mitten in dem Tun ihm eine Einsicht fromme...

Gar sieggewiss der Balak schaut hinunter auf die Juden,

und meint, dass gleich der Gottesblitz haut ein in ihre Buden.

 

Und so geschieht´s, es machet „Krach!“, „Batumm!“ und „Potzblitzgalle!“,

dass jeder, der grad oben war, meint, dass er runterfalle.

Und lichterloh brennt Stier und Schaf (Tierschutz war noch Staffage).

Als sich der Rauch dann endlich hebt, sieht man manch Rußvisage.

 

[ frz. gespr.:] Surpise, surprise! Wer hätte das gedacht von den Halunken?!

Als sich die Nebelwand verzieht, hört man den Ruf der Unken.

Denn erstens kommt es anders oft und zweitens als man denket.

Denn Jahwe ist es exklusiv, der die Geschicke lenket.

 

So wahr die armen Tiere schwarz auf ihrem Roste schmoren,

so wahr hat Gott sein einzig Volk zur Rettung auserkoren.

Enttäuschung - wie man wird versteh´n - bei denen, die schon gierten.

Nomaden fürderhin sind sie und kleine Ziegenhirten.

 

Der Balak sieht: es wünscht der HERR, dass Bileam nun segne

und über mancher Wüstenei es wieder fruchtbar regne.

Sollt Balak es an Einsicht fehl´n und machen Kokolores,

dann wär´ es gut, gefasst zu sein auf delikaten Zores.-

 

Das, liebe Leut´, war die Geschicht aus längst verstrich´nen Tagen.

Doch fragt man sich - es schadet nicht -, was sie uns heut´ kann sagen.

Die Botschaft ist nicht allzu schwer. Zum einen man begreifet:

ein Esel ist nur halb so dumm, wie allgemein es heißet.

 

Wenn es einmal nicht sofort geht, wie du es dir erträumet,

dann denk ans graue Eselstier, warum sich´s aufgebäumet.

Zum andern hat nur Zukunft der, der segnen will statt fluchen

und der dem Nächsten Gutes will, bereit, es stets zu suchen.